Bobby Robinson hatte sich schon eine gehörige Zeit mit Musik beschäftigt...
...bevor es zum ersten Rap-Release kam. Kurz nach dem 2.Weltkrieg eröffnete er in Harlem/New York seinen Record-Shop `Bobby`s Happy House Records´, den er anscheinend so gut machte, dass sich immer wieder Major-Leute von Chess oder Atlantic bei Mr. Robinson Rat und Infos einholten. Mit seinem angehäuften Wissen fing Robinson Stück für Stück an, sich immer aktiver im Music-Bizz zu betätigen: Produzierte Ende der 40er seine ersten Tracks, um Anfang der 50er gleich sein erste Label `Robin´ zu gründen, welches er Jahre später aus rechtlichen Gründen in `Red Robin´ umbenennen musste. Etliche weitere Labels folgten, die Bobby Robinson allein oder in Coop mit seinem Bruder Danny gründete. `Whirlin` Disc´, `Fire´, `Everlast´ etc. oder das mit dem unvergesslichen Pferdenamen `Fury´, um nur einige zu nennen. Die Robinson`s besaßen die ersten Labels in den Staaten die komplett in schwarzer Hand waren. Ist schon hardcore, dass man sowas erwähnen muss, aber zu dem Zeitpunkt war das wohl eine kleine Sensation (Abgesehen davon hat sich im Land der unbegrenzten Möglichkeiten in den letzten 50 Jahren diesbezüglich auch nicht wirklich viel geändert!). Und waren mit ihren R&B, Blues und Doo Wop Releases mitunter Recht erfolgreich. Ihren grössten Hit verzeichneten die Robinson`s mit der von Bobby produzierten „Kansas City\"-Single von Wilbert Harrison, die an die 2 Million Mal über die Ladentheke ging. Weiter 7\"es verkauften sich mitunter eine volle Million mal. Enjoy! Records gründeten die Robinson`s 1962 und releasten gleich eine LP von Saxophon-Legende King Curtis. Desweitern hatte Gladys Knight mit ihren Pips ihre allererste 7\"-Produktion ever auf Enjoy!: „What Shall I Do/Love Calls\" .
Für Rap fing Bobby Robinson so 1977 an zu interessieren. Waren ihm doch die ganzen Blockparties nicht gänzlich entgangen und nach dem das Label Sugarhill von Sylvia Robinson (weder Verwandt noch Verschwägert mit Bobby Robinson) den ersten weltweiten Kracher rausgehauen hatte, wuchs mehr und mehr das Interesse bei Bobby Robinson auch Rap-Stuff raus zu bringen. Die Info, wer die heißesten Rap-Acts der Stadt sind, holte sich Bobby bei seinem Neffen Gabriel Jackson, besser bekannt als Spoonie Gee ab und schon wurde 1979 die erste Rap-Scheibe von Funky Four (plus One)-„Rappin And Rockin The House\" auf Enjoy! Records veröffentlicht. Kurz darauf erschien „Superrappin\" von Grandmaster Flash & The Furious 5 und dass brachte Bobby von Anfang an die nötige Credibility. Releases von Spoonie Gee, The Treacherous Three, The Fearless Four, Dough E. Fresh etc. folgten. Bobby Robinson produzierte wie zu seinen R&B/Doo Wop-Zeiten auch hier fast alle Rap-Tracks zum grössten Teil selbst: Klassisch für die Zeit wurden Disconummern von eine Live-Band neu eingespielt, wie Taana Gardners „Heartbeat\" für Treacherous Three`s-„Feel The Heartbeat\" oder dergleichen. Sugarhill Gang (und auch Sugar Hill Records) musste trotz massivem Erfolg mit dem Ruf leben, eine zusammengestellte Band mit gänzlich unbekannten MC`s zu sein, die auch noch ganze Rhymes von Grandmaster Caz übernommen haben ohne Caz irgendwelche Credits zu zollen. Bobby Robinson hatte mit Funky 4, Grandmaster Flash etc. die Top-Underground-Acts New Yorks.
Was aber trotzdem nichts half. Denn Bobby Robinson kümmerte sich anscheinend zu wenig um die Promotion seiner Acts. Oder man könnte es auch so ausdrücken, dass die Labels mit dem grösseren Budget seine Acts mit mehr Geld köderten. Obwohl sich die Enjoy! Scheiben für Undergroundverhältnisse ganz gut verkauften, wurden sie halt kaum im Radio gespielt, konnten auch nicht mal annähernd den weltweiten Erfolg von „Rappers Delight\" erreichen. Und geht es nicht um Ruhm, Ehre, Frauen und eine Menge Cash. Ristisch! So kam es, dass Furious 5, Funky 4 & Treacherous Three ziemlich schnell den profitablen Verlockungen von Sugar Hill Records folgten und all die anderen Enjoy!-Artists wie Fearless Four, Disco 4, Masterdon, Kool Kyle etc. zu anderen Labels wie Profile oder Elektra wechselten. Und Enjoy? Ja, Enjoy! Records wurde so 1985 eingestellt. Bobby Robinson dürfte mittlerweile knapp 80 sein, erfreut sich hoffentlich bester Gesundheit und besitzt, soweit ich weiss, immer noch seinen `Bobby`s Happy House Records´-Shop in Harlem. So kann ich mir auch vorstellen alt zu werden.
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