
Sugarhill Records
Sugarhill Records, Sugarhill Gang und „Rappers Delight“ dürften hier wohl wirklich jedem ein Begriff sein. Neben Enjoy! Records, Paul Winley Records und Harlem Records reiht sich Sugarhill in diese ehrenwerte Liste der ersten Rap-Labels nahtlos ein. Mit einem Zusatz: Sugarhill dürfte wohl mit Abstand der erfolgreichste Imprint auf diesem Sektor gewesen sein.
Gegründet wurde Sugarhill von Joe & Sylvia Robinson in den 70ern, und feierte mit „Rappers Delight" von der hauseigenen Sugarhill Gang den ersten weltweiten kommerziellen Erfolg einer Rap-Scheibe. Sugarhill Records brachte Rap zum Mainstream und legte den Blueprint für die nachfolgende Rap-Industrie.
Vor Sugarhill hatten die Robinsons schon kleine Labels wie All Platinum, Turbo und Stang. Sie schrieben und veröffentlichten Tracks für Bands wie The Moments, The Whatnauts, Brother To Brother etc. Und Sylvia Robinson hatte mit „Pillow Talk" (1973) und „Love Is Strange" selbst grössere Erfolge zu verzeichnen.
Irgendwie haben sich die Robinsons Mitte der 70er wohl finanziell verschätzt und standen vor dem Bankrott. Kurz vor der kompletten Pleite gründeten Joe & Sylvia Robinson mit den letzten verbliebenen Dollars Sugarhill Records. Releasten als eine der ersten Scheiben „We Got The Funk" von Positive Force, welches massives Radioplay bekam. Stellten sich desweiteren eine hauseigene Backing-Band aus den Musikern Keith Leblanc, Skip McDonald und Doug Wimbish (später, so Ende der 80er sollten die 3 Burschen mittelschweren Industrial-Funk auf dem englischen On-U Sound Label veröffentlichen) zusammen und nannten sie sinngemäß Sugarhill Band. Sie ließen die Jungens einen neuen Track um den schweren Chic-Basslauf von „Good Times" basteln. Grabten sich 3 im Hood gänzlich unbekannte MC`s (Wonder Mike, Master Gee und Big Bank Hank aka Sugarhill Gang) und liehen sich Rhymes von keinem geringeren als Grandmaster Caz und gaben ihm netterweise auch nie die Credits dafür. Und fertig war die erste kommerzielle Rap-Bombe "Rappers Delight". Sugarhill Records kam zwischendurch mit der Nachlieferung der heißbegehrten Maxi gar nicht mehr nach. Zur Peaktime verliessen 50-60.000 12"es täglich Sugarhill.
Das reizte natürlich auch andere Hip Hop-Acts wie Grandmaster Flash & The Furious Five, Treacherous Three, Funky Four + 1 oder Spoonie G., welche auf dem weitaus kleinerem Enjoy! Records zwar die Street-Credibility hatten, aber nie und nimmer die Verkaufszahlen von „Rappers Delight" erreichten. So mussten sich die Herren nicht lange von Sylvia Robinson zwecks Labelwechsel bitten lassen.
Und damit hatte Mrs. Robinson auch gleichzeitig ihren einzigen ernsthaften Konkurrenten Bobby Robinson von Enjoy! Records aus dem Rennen geschmissen. Mit dem aufgestockten Label-Rooster konnte den Robinsons und Sugarhill wahrlich keiner mehr das Wasser reichen. Und so wurde munter veröffentlicht und weiter gesignt. U.a. Angie Stones erstes gehversuche als Rapperin Angie B. mit ihrer Crew The Sequence. Aber nicht nur Rap-Crews wurden für das Sugarhill Imperium rekrutiert, auch die schon weiter oben erwähnten DiscoFunk-Band Positive Force, Soul-Sänger wie Philippe Wynn von den Spinners, Ray Goodman & Brown (The Moments), Candi Staton oder die Go-Go Band Trouble Funk. Mit "The Adventures Of Grandmaster Flash On The Wheels Of Steel" von Grandmaster Flash verewigte Sugarhill den ersten reinen DJ-Track auf Vinyl. Flash kratzte sich durch Tracks wie Queen`s "Another One Bites The Dust", Blondie`s "Rapture", Chic`s "Good Times" usw. Sugarhill Gang wiederum verwandelte die B-Boy Hymne "Apache" von der Incredible Bongo Band in den gleichnamigen Party-Song.
1982 kam dann "The Message" und löste die ganzen partytauglichen Rap-Tracks ab.
Während Grandmaster Flash immer darauf bedacht war alle Crew-Member zu featuren, nutzte Melle Mel die Abwesenheit von Flash um gemeinsam mit dem Sugarhill-Engeneer Duke Bootie "The Message" zu produzieren. Melle Mel griff bei "The Message" seinen eigenen zuvor auf dem Track "Superrappin No.2" (Grandmastermaster Flash&The Furious Five auf Enjoy! Records) verwendeten Rap-Part wieder auf und ergänzte ihn zu dem was wir bei "The Message" bis heute unzählige Male hören durften. Die Scheibe erschien trotzdem unter Grandmaster Flash & The Furious Five, weil Sylvia Robinson aus marktstrategischen Gründen darauf bestand. Dieser Move führte dann aber ein Jahr später zum Bruch zwischen Melle Mel und Flash. Melle Mel machte mit seinem Bruder Cowboy und Scorpio unter Grandmaster Melle Mel & The Furious Five auf Sugarhill weiter. Flash folgte mit den beiden restlich verbliebenen Furious Five Mitgliedern Creole und Rahiem etwas später dem Ruf von Elektra. Versuchte noch gegen die unrechtmässige Nutzung seines Namens gegen Sugarhill zu prozessieren, scheiterte aber kläglich.
Sugarhill Records haute noch diverse Gassenhauer wie den Anti Cocaine Song "White Lines", "Jesse" und auf den Markt. Konnte den drohenden Untergang aber nicht mehr abwenden. Mit Run DMC und der damit folgenden Wachablösung der alten Schule ging es auch mit Sugarhill Records zur Mitte der Achtziger hin langsam bergab. Die Tracks von Sugarhill kickten nicht mehr und interessierten auch niemanden mehr. Und auch die Art und Weise wie Sugarhill mit Künstlerverträgen und Tantiemenzahlungen umging war schon sei längerem nicht ganz koscher. 1985 kam die letzte Sugarhill Scheibe auf den Markt. Trotz allem, ohne Sugarhill Records und vor allem ohne Sylvia Robinson würde Hip-Hop und die Industrie dahinter Heute wahrscheinlich ganz anders ausschaun. Who knows??
[Preddy for The Message Mag Issue # 15 | 2003]
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