















|

|

Beats, Breaks & Bullshit
Message goes Rare Groove. Und wird sich ab dieser Ausgabe mit alten, raren Scheiben befassen, versuchen, noch lebende Legenden ans Mikro zu bekommen und die Flut von Rare Groove-Reissues zu sondieren. Vielleicht alte Sampling-Maschinen durchleuchten und sich auf jeden Fall viel mit Breaks und Beats und deren Herkunft beschäftigen.
Wir werden aktuelle Veröffentlichungen rezensieren, dabei aber manchmal hier und da die Aktualität vernachlässigen, wenn wir eine Platte finden, die vorher an uns vorbei gegegangen ist.
Rare Groove ist ein Begriff, den der englische DJ Norman Jay (Good Times Soundsystem) Anfang der Achtziger mit seiner mittlerweile legendären Samstags-Nachmittags-Radio-Sendung "The Original Rare Groove Show" auf Kiss 94FM ins Leben gerufen hat. Und dieser Ausdruck ist als Oberbegriff für rare Jazz-, Soul-, Funk-, Brazil- und Disco-Scheiben anzusehen. Es waren und sind nach wie vor die Rarities gemeint: LP`s, Supersound Maxis und natürlich die kleinen 7"-Singles. Aber auch Hip-Hop-Scheiben gehören heutzutage genauso zu den Rare Grooves wie ältere House oder Drum&Bass-Releases. Sie müssen halt... rar sein.
Doch hier und jetzt geht es mir um die Verbindung von altem, rarem Vinyl und Hip-Hop; den Tracks mit dem warmen, knisternden Hintergrund-Sounds als angenehme Begleiterscheinung. Und um die Madlibs, Spinnas und Premiers dieser Welt, die als leidenschaftliche Vinyl-Digger immer auf der Suche nach dem nächsten unbekannten Loop oder Break sind. Die genau wissen ihr Equipment zu handeln und alte Breaks ins rechte Licht zu rücken.

|
Was Kool DJ Herc mit dem Doppeln alter Funk-Breaks...
...Anfang der Siebziger in Bewegung setzte, hätte sich der gute Mann damals bestimmt nicht träumen lassen. Auch nicht, dass es später Maschinen geben würde, die, abhängig von der Aufnahme-Zeit, diese Funk-Breaks beliebig lang wiederholen und den DJ mehr und mehr zum Produzenten werden lassen. Linn-Drum, EMU SP-1200, Akai MPC 60 (um die wichtigsten zu nennen) sind die Sampling/Drummachine-Workstations, die bis heute wegen ihres speziellen Sounds in vielen Studios noch gerne verwendet werden. Moment; wo hab ich noch gelesen, dass diverse Produzenten gesagt hätten, die SP hätte einen Klang wie altes Vinyls. Egal, es fällt mir nicht mehr ein. Die Roland TR-808 darf an dieser Stelle natürlich nicht vergessen werden. Als reine Drum-Maschine mit dem legendären Sub-Bass ausgestattet, der in vielen Achtziger- Produktionen unten herum (natürlich bei entsprechender Dezibel-Zahl) die Knie butterweich machte. Mehr dazu ein anderes Mal. Zurück zum guten alten Vinyl. Waren anfangs noch Funk- und Disco-Breaks `in demand´, wurde in den Achtzigern auch bald in anderen Sparten gefischt, also nicht nur im Black Music-Bereich. Gerne wurden Songs aus dem Pop-, Rock- oder New Wave-Genre, im wahrsten Sinne des Wortes, gebraucht. (Nebenbei erwähnt haben diese musikalischen Sparten ja ihre Roots auch in der Black Music, aber darauf näher einzugehen würde hier ein wenig den Rahmen sprengen.)
Sicher kennt jeder Afrikan Bambataa`s Version-Excursion von Kraftwerk`s `Trans-Europa-Express´ oder Steve Miller`s `Fly Like An Eagle´. Und Hall & Oates `I Cant Go For That´-Sample auf dem ersten De La Soul-Album. Um die Länge der Loops kümmerte sich da noch niemand, war doch Sampling neu und, wie wir alle wissen, der Gesetzgeber lahm. Bis eben Biz Markie bei seinem `Just A Friend´-Tune für das verwendete Piano-Loop von Gilbert O\'Sullivan richtig viel Geld auf den Tisch blättern musste. Da hatten auch die Letzten das Signal verstanden und ihre Samples geklärt, Live nachspielen lassen oder, wie Dr. Dre, gleich die kompletten Rechte eines Stückes käuflich erworben (bei `Nuthin But A G Thang´, das Leon Haywoods `I Wanna Do Something Freaky To You´ sampled). Yesyo. So geht`s auch.
|

|
Mit Produzenten wie Large Professor, Pete Rock,...
...A Tribe Called Quest oder Gang Starr kam Ende der Achtziger/Anfang der Neunziger frischer Wind in die Hip-Hop-Produktionen. Man bediente sich mittlerweile aus einem riesigen Fundus der schwarzen Musik: Brasil, Fusion-Jazz, Jazz-Rock, Rock, Folk und wasweissichnoch; aus Polen, Deutschland, Skandinavien, Brasilien oder Peru. Überall lauern Loops und Breaks, die es Wert waren (und sind), editiert zu werden. All dies gehörte dann auf breiter Ebene zum Samplematerial; ausserdem wurden, anders als noch einige Jahre zuvor, die Beats auch nicht mehr nur gesampled, sondern mit Drum-Machines und Sequencer `arrangier´. Jeder konnte seine eigenen Beats kreieren und mit den entsprechenden Samples komplettieren. In dieser Zeit wurden auch immer häufiger Zitate (sowohl Lyrics als auch Musik) aus alten Hip Hop-Tracks verwendet, was bis heute Bestand hat.
Diese Zusammensetzung ergibt dann den gewissen Sound, den man als Trademark bei bestimmten Hip-Hop-Produzenten wiederfindet, die ja zum grossen Teil selbst fanatische Rare Groove-Sammler sind. Dieses Wissen und der daraus resultierende Respekt der Musik-Geschichte bringen die Kreativität, aus denen die wirklich großartigen neuen Tracks entstehen.
In den letzten Jahren ist es natürlich immer einfacher geworden, an die raren Schätzchen heranzukommen, denn Tonnen von Rare Groove-Reissues schwemmen in die Plattenläden; teils frisch eingeschweisst, teils als Bootleg mit mangelhaftem Artwork. Ganz zu Schweigen von diversen guten offiziellen oder schlechten `home-made´ Compilations. Das natürlich zum Leid derjenigen, die sich jahrelang auf Flohmärkten, bei Plattenbörsen oder Second-Hand-Dealern die Finger schmutzig und wund gesucht haben und zu guter Letzt einen Haufen Geld losgeworden sind. Aber selbst die Digger sehen die ganze Sache nicht mehr so arg, nehmen sie doch die Reissues auch gerne als Übergangsstütze bis das Original gefunden ist. Und für den Rest der Interessierten ermöglichen die Nachpressungen einen günstigen Einstig in die Welt der Rare Grooves. Diesen widmen wir uns in den nachfolgenden Rezensionen und den nächsten Ausgaben des Message-Mags.
|

|
Breaks:
Pointer Sisters - `Yes We Can Can´ | Blue Thumb The Honeydrippers - `Impeach The President´ | Alaga James Brown - `Funky Drummer´ | Polydor Jean-Jaques Pierre - `E.V.A.´ | Vanguard The Winstons - `Amen Brother´ | Metromedia ESG - `UFO´ | 99 Records Incredible Bongo Band - `Apache´ | Pride The Mohawks - `Champ´ | Pama Lou Donaldson - `Ode To Billie Joe´ | Blue Note Lonnie Smith - `Spinning Wheel´ | Blue Note The Three Sounds - `Repeat After Me´ | Blue Note Joe Cocker - `Woman To Woman´ | Cube Ohio Players - `Funky Worm´ | Westbound Roy Ayers - `Everbody Loves The Sunshine´ | Polydor Bob James - `Nautilus´ | CTI Bob James - `Take Me To Mardie Gras´ | CTI Grover Washington Jr. - `Hydra´ | Kudu Steve Miller Band - `Fly Like An Eagle´ | Capitol George Clinton - `Atomic Dog´ | Capitol Skull Snaps - `It`s A New Day´ | GSF 24 Carat Black - `Ghetto Misfortune`s Wealth´ | Stax Lyn Collins - `Think (About It)´ | Polydor Herman Kelly - `Dance To The Drummers Beat´
[Preddy for The Message Mag Issue #12 | 2002]
|

|
Add bookmark
Set homepage
© personal Records Wu-Tal, Cologne, Hamburg, Vienna
|

|







|